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Im Blickpunkt
DIE FLÜGEL DER KUNST
von Makyo, Frédéric Richaud und Michel Faure
Gesamtausgabe in einem Band

Polen 1922. Der geniale Maler Fryderyk Cyprian ist des Lebens überdrüssig. Seit er der Frau seiner Träume begegnete und sie wieder verlor, nimmt er jedes Duell an und sucht Kontakt zu einer Gruppe von Umstürzlern.
Ein spannender Comicroman zwischen Politik, unendlicher Liebe und großer Kunst.

Originaltitel und Verlag: "Le Maître de Peinture", Glenat

 

Michel Faure, der Zeichner

Der am 7. Juni 1947 in Paris geborene Franzose Michel Faure besuchte die angesehene private Kunstschule Penninghen und vervollständigte seine Ausbildung anschließend an der Ecole des métiers d'art, wo er Zeichnen studierte. Nach dem Studium arbeitete Faure zunächst in der Werbung. Dass er seinen Militärdienst auf Madagaskar ableisten musste, brachte ihn dieser exotischen Region näher. Auf der Île de la Réunion entstand seine erste längere Comicserie für die Zeitschrift Télé 7 Jours.
In der französischen Comicszene ist Faure seit seinen Alben "Adam et la colère de Dieu", "Dieux, sa fille et l'homme" (dt. "Gott, seine Tochter und der Mensch") und "Moïse" bekannt, die um 1980 herum entstanden. Für den Verlag Hachette zeichnete er ab 1982 die Serie "L'Etalon noir" (dt. "Der schwarze Hengst" bei Bastei). Eigenständiger konnte er in der zur napoleonischen Zeit spielenden Serie "Les fils de l'aigle" arbeiten (ab 1985; dt. "Der Sohn des Adlers" bei Arboris; nach einem Szenario von Vaxelaire), bei der Stil und Qualität stark variieren.
1991 schuf er nach dem Szenario von François Corteggiani eine beachtliche Fassung von Stevensons "Die Schatzinsel" (dt. bei Ehapa), in der sein "malerischer" Zeichenstil zur Geltung kam. Einige Jahre später übernahm Michel Faure mit dem dritten Zyklus die Serie "Balade au bout du monde" (dt. »Die Reise ans Ende der Welt«). Neben dem Band 9 für »Zehn Gebote" ("Der Papyrus von Kom-Ombo"), einer ergänzenden Kurzgeschichte dazu und 2008 "Samsara" schrieb und zeichnete Michel Faure in den letzten Jahren eine Reihe sehenswerter Miniserien ("Elsa", "Die Flügel der Kunst") und mehrere Einzelbände ("Jésus Marie Joseph", "La Piste Cavalière"), die noch nicht in deutscher Übersetzung erschienen sind.

Makyo, Autor

Der französische Autor und Zeichner Makyo, geboren als Pierre Fournier am 16. Juli 1952 in Dünkirchen, debütierte mit seinen Zeichnungen im Magazin Spirou. Bekannt wurde er ab 1981 mit seinem Szenario zu der Serie "Balade au bout du monde" (dt.: "Die Reise ans Ende der Welt«) für den Zeichner Laurent Vicomte (später fortgeführt von Eric Hérenguel, Michel Faure und Laval). Die anfangs in der Zeitschrift Gomme! vorabgedruckte Fantasy-Serie brachte es auf 15 Alben. 1983 zeichnete und schrieb Makyo die Serie "Grimion gant de cuir" (dt. "Grimion Lederhandschuh"). Für die humoristische Serie "Les Bogros" war er noch einmal selbst als Zeichner aktiv. Dann folgte eine große Anzahl an Serien, mit denen er seinen Ruf als Autor festigte: "Jackie Kottwitz" (ab 1982 mit LeTendre und Dodier), "Der Zyklus zweier Horizonte" (ab 1990, mit Christian Rossi) und "Qumran" (ab 2002, nach Eliette Abécassis, Zeichner Stephane Gémine), um nur einige zu nennen. Für Michel Faure schrieb Makyo ab 1996 »Elsa« und ab 2003 "Le Maître de Peinture", "Die Flügel der Kunst". Die meisten seiner neueren Comics sind noch nicht auf deutsch erschienen. Der japanische Begriff Makyo bezeichnet eine während der Meditation auftretende Trance.

Frédéric Richaud, Autor

Geboren am 2. April 1966 im südfranzösischen Aubignan, ging Frédéric Richaud als junger Mann nach Paris und widmete sich dem Schreiben. In der Folge entstanden Biografien, Essays und mehrere Romane, von denen insbesondere "Monsieur le Jardinier" erfolgreich war. "Die Flügel der Kunst" (zusammen mit Makyo) war sein erster Comic. Die zur Zeit Napoleons spielenden Schlachtendramen "Bataille" (ab 2012) und "Bérézina" (ab 2016; beide nach Patrick Rambaud und mit dem Zeichner Ivan Gil) wurden in Frankreich als Historiencomics gewürdigt.

Eine Liebe in Warschau

Dass Polen sich nach dem polnisch-russischen Krieg große Gebiete im Osten einverleibt hat und die dort lebenden Ukrainer und Weißrussen nun Mitbestimmung in der Regierung fordern, gefällt den Nationalisten nicht. Ihre Forderung "Polen den Polen" führt zu großen innenpolitischen Spannungen. Als im Dezember 1922 der Vermittler Gabriel Narutowicz zum ersten Präsidenten der neuen Republik gewählt wird, kann er dieses Amt gerade fünf Tage lang ausüben - dann wird er das Opfer eines fanatischen Attentäters.

»Die Flügel der Kunst« ist Fiktion, ist Literatur und kein Geschichtsbuch. Die Anklänge an das politische Warschau sind im Comic von Makyo und Richaud nur das Salz in der Suppe. Erzählt wird vor diesem Hintergrund eine höchst dramatische Liebesgeschichte, nein, eigentlich drei, vier Liebesgeschichten, die alle Handlungsträger miteinander verbinden. Da ist zum einen der geniale Maler Fryderyk Cyprian. Seit er ein Bild der Frau seiner Träume sah - ein unerreichbares Ideal, wie er glaubt - , ist er des Lebens überdrüssig und sucht den Tod im Duell. Das Schicksal will es, dass er dieser Frau, Eliza, dem Modell für das von ihm bewunderte Gemälde, begegnet und sich dabei so ungeschickt verhält, dass er sie gleich wieder verliert. Damit nicht genug: Er bewirbt sich in der Klasse des bekannten Malers Adam Zinguleski, nicht ahnend, dass Eliza Zinguleskis Frau ist.

Zinguleski ist ein Freigeist, der auch politisch Stellung bezieht. Eines Nachts verteidigt er eine Gruppe von Ukrainern, die von betrunkenen Nationalisten bedrängt werden, und wird dabei niedergestochen. Mikolaj, der beste Freund Fryderyks, hilft Eliza, den Verwundeten in Sicherheit zu bringen - und verliebt sich ebenfalls in die bildschöne Frau, was zu große Irritationen führt. Eliza ist eine sehr selbstwusste Persönlichkeit, nicht nur die betörende Frau eines berühmten Malers. Und dann gibt es da noch Jozef, den Bruder Fryderyks, Pater in einer katholischen Kirche. Er verzweifelt zwischen seinem Amt und seiner Liebe zu Agnieszka, die ihn schließlich verlässt und vorgibt, zur Prostituierten geworden zu sein.

Tausend Verwicklungen, wie man sieht. »Die Flügel der Kunst« ist ein unglaublich spannender Comicroman zwischen Politik, unendlicher Liebe und großer Kunst. Kunst spielt im Verhalten der Hauptfiguren eine entscheidende Rolle. Große Kunst liefert auch der Zeichner des Comics, Michel Faure, der die schöne Eliza so darzustellen vermag, dass auch der Leser sofort in ihren Bann fällt - ein Meister der menschlichen Mimik. Faure hüllt seine ebenso detaillierten wie atmosphärischen Zeichnungen in eine zuweilen gewagte Kolorierung, die sich am Ende aber als genauso stimmig erweist wie alles in diesem Werk.

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