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Im Blickpunkt
HOPFEN UND MALZ
von Jean van Hamme (Szenario) und Francis Vallès (Zeichnungen)
Gesamtausgabe in 3 Bänden

Der Autor Jean van Hamme ("XIII", "Thorgal") und der talentierte Zeichner Francis Vallès erzählen in ihrem spannenden Comic das Leben der Steenforts, einer belgischen Familie von Bierbrauern, und begleiten dadurch die Geschichte des Bieres von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in unsere Tage.

Jean van Hamme beschreibt in "Hopfen und Malz" das Wachsen von Industriekultur, von den kleinen Anfängen privater Natur bis hin zu den großen internationalen Konzernen. Er bettet diese Industriegeschichte ein in eine Familiensaga voller Intrigen und zwischenmenschlicher Gemeinheiten, die den Leser immer wieder fesselt und überrascht. Die Dynastie der Steenforts kennt ihre Höhen und ihre Tiefen.

Originaltitel und Verlag: "Les maîtres de l'orge", Editions Glénat

 

Jean van Hamme

Der am 16. Januar 1939 in Brüssel geborene Jean van Hamme studierte Finanz- und Wirtschaftswissenschaften. Seine Karriere verlief glänzend: Er arbeitete an gehobener Stelle im Marketing mehrerer Unternehmen (zuletzt bei Philips Belgien). 1976 schlug er diese lukrative Laufbahn aus, um sich ganz dem Schreiben zuzuwenden. Schon Ende der 60er Jahre hatte sich Jean van Hamme als Autor von Comics hervorgetan. Durch das erotische Album "Epoxy" wurde er 1968 international bekannt. Nach einigen kleineren Serien schrieb er 1980 für Grzegorz Rosinski das Fantasy-Epos "Thorgal". 1984 folgte das von einem Roman Robert Ludlums inspirierte "XIII" (Zeichner Vance), 1990 der Business-Thriller "Largo Winch" (Zeichner Philippe Francq), dessen Story van Hamme selbst 1977 bereits in Form von Romanen publiziert hatte. Diese drei Comics gehörten bald zu den Bestsellern und brachten ihrem Urheber Ende der 90er Jahre den Namen "Monsieur 10%" ein - wie es hieß, stammten damals zehn Prozent aller im frankobelgischen Raum verkauften Comics aus seiner Feder. Andere Serien und Einzeltitel folgten. Van Hamme versteht sich als "populärer" Autor; er hat es nie darauf angelegt, "große Literatur" zu verfassen. Viele seiner Comics wurden in überregionalen Zeitungen wie Le Soir oder Le Figaro vorpubliziert. Die Zugkraft seiner Stoffe brachte es mit sich, dass sich auch Film und Fernsehen für eine Adaption interessierten. Für seine Leistungen als Comicautor wurde Jean van Hamme mit vielen Preisen ausgezeichnet, darunter 1994 der "Max und Moritz-Preis" des Comic-Salons Erlangen ("Bester internationaler Autor"). Jean van Hamme ist seit 2011 Ehrenbürger der Stadt Brüssel und Träger des Ordens Commandeur des Arts et des Lettres. 2015 wurde er von König Philippe von Belgien zum Ritter geschlagen und in den erblichen Adelsstand aufgenommen.

Francis Vallès

Geboren am 11. Dezember 1959 in Saint-Chély-d'Apcher im südlichen Mittelfrankreich, besuchte Francis Vallès die Kunsthochschule in St. Etienne, wo er unter anderem mit Luc Cornillon und Yves Chaland zusammentraf. Seinen ersten Comic veröffentlichte er 1983 in dem Magazin Triolo. Im selben Jahr kam im Brüsseler Verlag Magic Strip sein erstes Album heraus, "Le lac des fous", das in der Frühzeit der Kolonisation Nordamerikas spielte. Für die Zeitschrift Je bouquine schuf er in der Folge diverse Kurzcomics zu literarischen Themen. Nach einem Szenario von José-Louis Bocquet begann er 1989 für den Verlag Glénat die quasi-historische Serie "Dorian Dombre". Sein Verlag vermittelte Vallès 1992 für die Serie "Les maîtres de l'orge" (dt. ab 1994 bei comicplus+ als "Hopfen und Malz") an Jean van Hamme, eine Serie, die besonders nach ihrer Verfilmung Ende der 90er Jahre Aufmerksamkeit gewann. Im Anschluss zeichnete Vallès nach einem Szenario von Stephen Desberg in drei Alben den Mafia-Thriller "Tosca" (dt. 2006 bei Epsilon) sowie, mit demselben Autor, ab 2005 für den Verlag Lombard "Rafales". 2009 entstand im gleichen Verlag, jetzt wieder mit Jean van Hamme als Autor, die im Indien des 18. Jahrhunderts spielende Serie "Rani". Vallès pflegt einen auf die Brüsseler Schule aufbauenden klaren Strich. Bis zu "Rafales" wurde sein im Grunde ruhiger, großzügiger Zeichenstil durch die kongeniale Kolorierung von Marie-Paule Alluard unterstützt.

Ein kunstvolles Gebräu

Wenn wir 2016 vierhundert Jahre "Reinheitsgebot" feierten, so war das die Zementierung einer Regel, die den deutschen Bierfreund von vielen hierzulande unüblichen Geschmäckern ausschließt. Bis vor wenigen Jahrzehnten trank der Deutsche fast ausschließlich Pils und Export, Kölsch, Alt oder Weizen. Unter Berufung auf ebendieses Reinheitsgebot wehrte sich der Deutsche Brauer-Bund - gemeinsam mit Vertretern der Regierung - lange gegen eine Importerlaubnis für Biere aus anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Noch in den 1980er Jahren wurden ausländische Biere als "Chemiebier" gebrandmarkt.

Bier ist ein Nahrungs- und Genussmittel, das in der westlichen Welt mit den essentiellen Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe hergestellt wird. Außerhalb Deutschlands, so etwa in Belgien, ist für Biere, die nicht allein als Durstlöscher verstanden, sondern im Selbstverständnis der Brauer dem Wein gleichgesetzt und in Flaschen angeboten werden, die Zugabe von Würzstoffen - Früchten, Kräutern und Gewürzen - die Regel. Der Belgier ist stolz auf sein Lambic, Gueuze, Kriek, auf die bières blanches, brunes und rouges, auf die Abtei- und Trappistenbiere, auf Spezialitäten, die inzwischen zwar überregional vermarktet werden, die aber doch die Besonderheit einer bestimmten Region sind. Die in kleinen Flaschen gehandelten Biere haben einen relativ hohen Alkoholgehalt - und einen unverwechselbaren Geschmack, der weniger den Durstigen als den Genießer anspricht. Es gibt in Belgien Hunderte von Sorten: Es sei jedem empfohlen, sich - vorsichtig, nicht mehr als drei Fläschchen auf einmal! - auf das Abenteuer einzulassen, die Unterschiede zu erleben.

Auch in Deutschland war es, Reinheitsgebot hin oder her, bis zum 19. Jahrhundert nicht möglich, Bier über längere Zeit zu lagern. Man kühlte das Gebräu in Kellern und Höhlen und mit Hilfe von Eis, doch im Grunde war Bier ein Getränk, das "frisch" konsumiert wurde. Wer nicht selbst braute, holte sich einen Krug aus der nächsten Schänke nach Hause. Bis das Bier in jedem Supermarkt verfügbar war, bedurfte es einiger Entwicklungen und Veränderungen. Erst in den 1870er Jahren, nach der Erfindung durch Carl Linde, wurden Kältemaschinen wirtschaftlich. Das untergärige Bier eroberte den Markt. Wenig später experimentierten die Dänen mit der Abfüllung auf Flaschen. Das Bier war nun länger haltbar, und dank der Eisenbahn konnte es über größere Entfernungen verschickt werden.

Die Geschichte des Bieres - der Ursprung der Braukunst wird im altmesopotamischen Raum vermutet, lange vor unserer Zeitrechnung - ist eine spannende Geschichte, gerade für ein Land, das seine Kultur so sehr mit dem heimischen Bier verbindet wie Belgien. Das kam wohl auch dem belgischen TV-Sender TF1 in den Sinn, der 1980 einen Autor für ebendieses Thema suchte. Jean van Hamme, ein ehemaliger Industriemanager, der sich Ende der 70er Jahre auf das Schreiben verlegt und mit "Thorgal" und "Largo Winch" auch im Bereich Comic Erfolge hatte, war einer von vielen, die sich angesprochen fühlten. Er erhielt Mitte 1981 für seinen Entwurf zu "Les maîtres de l'orge" (auf deutsch etwa: die Herren der Gerste) den Zuschlag, einer Geschichte, die das Leben einer Familie von Bierbrauern von 1854 bis in unsere Zeit verfolgte:

Nachdem ich mein Skript eingereicht hatte, passierte erst einmal gar nichts, aber das ist bei Film und Fernsehen nicht unüblich. Jahre vergingen. 1987 wurde TF1 privatisiert, und damit schien die Sache erledigt zu sein. Das Drehbuch hatte mich viel Arbeit in der Recherche gekostet, und ich ärgerte mich, dass ich die Geschichte nicht in dem Bereich verwenden konnte, dem ich mich inzwischen zugewandt hatte, dem Comic. Ich hatte damals in meinem Vertrag alle Rechte abgetreten, auch die der Buchveröffentlichung (Fehler Nummer eins), und zwar für unbestimmte Zeit (Fehler Nummer zwei). Die Vertragsfirma Aligator hatte offenbar noch Hoffnungen, den Stoff nutzen zu können, und wies meine Anfrage auf Freigabe ab. Ich warte also. Als dann aber wieder für mehrere Jahre nichts passierte, setzte ich mich 1990 einfach über die Abmachungen hinweg und arbeitete das Skript zu einem Comic-Szenario um. Damit wandte ich mich an den Verlag Glénat, der zu der Zeit besonders mit historischen Stoffen hervorgetreten war. Glénat empfahl mir die Zusammenarbeit mit dem Zeichner Francis Vallès, von dem im selben Verlag bereits einige Alben der Serie "Dorian Dombre" vorlagen.

Formal beschritt Jean van Hamme mit seinem Comic Neuland, was sich vielleicht daraus ergab, dass die Geschichte zunächst für das Fernsehen geschrieben worden war. Mit der Beschränkung auf insgesamt sieben Alben verwandte er die Form des Zyklus, wie sie in Frankreich in den 80er Jahren in Mode kam, aber anders als andere Autoren, die den Zyklus lediglich als Miniserie auffassten, war dieser sorgfältig komponiert. Jedes der Alben spielt zu einer anderen Zeit. Von Kapitel zu Kapitel trifft der Leser auf alternde Figuren und deren Nachkommenschaft, er wird in neue politische Dimensionen geführt und erlebt eine sich verändernde Gesellschaft...

Oben Seite 28 aus Band 1, unten Seite 127 aus Band 2 von "Hopfen und Malz".

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